Geschichte

 

Die liturgischen Feiern in der Heiligen Woche sind um einiges älter als ihre öffentliche Darstellung durch Prozessionen und werden schon unter anderem bei Eusebius Pamphili, Bischof von Cesarea (um 260 u.Z.) und bei Dionysios von Alexandria (um 180-um 265) erwähnt. 

Die Prozessionen in der Karwoche, wie sie heute z.B. in Murcia begangen werden, sind ein öffentlicher Akt des Glaubens, der seine Wurzeln tief in der Vergangenheit hat. Ursprünglich gehen sie zurück auf die seit Ende des 13. Jahrhunderts in Italien stattfindenden Kreuzwegdarstellungen (Vía Crucis), die schon damals von Bruderschaften mit Laiencharakter organisiert und durchgeführt wurden.  Die Mitglieder dieser Vereinigungen nahmen teil, um Buße zu tun und die Vergebung ihrer Sünden von Gott zu erbitten. Die Teilnahme an den Vía Crucis und an den liturgischen Veranstaltungen war für sie obligatorisch, aber in erster Linie lag - während des restlichen Jahres - die Aufgabe der Mitglieder der Bruderschaften in der Leistung karitativer Hilfe und der Festigung des christlichen Glaubens in der Bevölkerung. 

In Andalusien, der Levante, Kastilien, einigen Gebieten Nordspaniens, Katalonien und dem Südosten Spaniens entwickelten sich ab dem 14./15. Jahrhundert je nach Region die unterschiedlichsten Umzüge. Mit zunächst nur langsamerer Verbreitung wurden die Osterprozessionen nach dem Scheitern des Konzils von Trient (1545-1563) zur äußeren Manifestation und Machtrepräsentation der römisch-katholischen Kirche in Spanien. In Murcia gehen die Karwochenumzüge bis auf den Beginn des 15. Jahrhunderts zurück. Schon zu dieser Zeit, organisiert durch den Orden der Franziskaner, wurde die Passion Christi in langen Reihen von Büßern und mit vielen pasos gefeiert und damit gleichzeitig der Lehre und dem Auferstehungsglauben der Kirche gedacht. Bis in das 19. Jahrhundert war die Leistung karitativer Hilfe immer noch Mittelpunkt in den Aufgaben der Bruderschaften, und erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts befassen sie sich in erster Linie mit ihren Prozessionen, dennoch ist der Bußcharakter und der Glaube an die Auferstehung Jesu Christi für die vielen Teilnehmer weiterhin ein zentraler Bestandteil. 

Die in der Semana Santa in Murcia durch ihre Werke vertretenen Künstler stammen aus den Künstlerschulen ganz Spaniens und einer ihrer bekanntesten Vertreter ist der murcianische Bildhauer Francisco Salzillo y Alcaraz, für den die Menschen sehr große Sympathie hegen. Aber auch andere Künstler prägen mit ihren Werken die Karwochenumzüge, so z.B. aus dem 16. Jahrhundert Diego de Ayala und Domingo Beltrán und aus dem 17. Jahrhundert Nicolás de Bussy und Juan de Auguilera. Das 18. Jahrhundert vertreten  Nicolás und sein Sohn Francisco Salzillo sowie Roque López und das 19. Jahrhundert Santiago Baglietto und Daiman Pastor. Aus dem 20. Jahrhundert sind José Sánchez Lozano, José Hernandez Navarro, Antonio Labaña Serrano, Manuel Ardil Pagán u.v.a. zu nennen. Dennoch beherrscht das 18. Jahrhundert den Stil der Darstellungen und so gleichen viele Umzüge einer Zeitreise in das barocke Murcia.

 

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